11 Dezember 2017

Räume zum Schreiben

Posted in Wissenschaftliches Schreiben, Schreiben im Beruf, Kreatives Schreiben

Beim Schreibmarathon im November 2017 im writers'studio Wien

Nach sechs Tagen Schreibmarathon im writers’studio im novembersonnigen Wien ist mir eines klar geworden: Wir brauchen Räume zum Schreiben. Räume, in denen wir uns wohlfühlen, in denen wir sicher sind vor unpassender und unangemessener Kritik. Räume, die uns inspirieren, ermutigen und beflügeln. Räume, die uns und unser Schreiben weitertragen. Kurz: Schreiboasen, wie auch der schreibraum.ms eine ist.

Schreiben auf dem Sofa

Bei den wunderbar produktiven Tagen im writers’studio hieß das: Schreiben im Sessel oder auf dem Sofa, in der Küche oder an den Seminartischen. Die Schuhe ausziehen, die Füße hochlegen und dann einfach losschreiben. Sich davon motivieren lassen, dass der ganze Raum voll ist mit Menschen, die auch schreiben, mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen und an ganz unterschiedlichen Projekten, z.B. einer Masterarbeit oder Dissertation, einem Memoir, einem Roman oder einem Sachbuch. Und es gibt noch viel mehr Räume zum Schreiben. Dieser Blogbeitrag zum Beispiel entstand in einem Wiener Café, vor mir ein Mokka mit Schlagobers. Die Satzfetzen, die von den Nebentischen herüberschwangen, die Essensdüfte – es war Mittagszeit und Kürbiszeit –, die leise Musik im Hintergrund, das schummrige Licht: all das inspirierte mich zum spontanen Schreiben.

Komplexe Texte schreiben

Einen ganz anderen Raum brauche ich, wenn ich einen wissenschaftlichen Text schreibe. Dann gilt: absolute Ruhe, viel Licht und ein großer Schreibtisch. Keine Geräusche dürfen dann mein Denken, Analysieren und Interpretieren stören, damit die Gedankenspiele ihren Weg vom Kopf auf das Papier und zurück vom Papier in den Kopf finden. Auf dem Schreibtisch muss genug Platz sein für ein produktives Chaos aus Tee und Schokolade, Laptop, Füller und Buntstiften, großen Papierbögen und kleinen Notizzetteln. Noch mehr Platz brauche ich, wenn ich einen Text überarbeite: mindestens einen großen Tisch, besser zwei oder drei, ganz für mich allein. Dann wird alles ausgedruckt und ausgebreitet, mit der Schere auseinandergeschnitten, hin und hergeschoben, neu zusammengesetzt, bis die Puzzleteile an ihren Platz gefallen sind. Manche Teile stören den roten Faden und wandern in die Kiste für künftige Texte, andere Textteile melden sich als zaghafte Idee oder lautstarke Forderung zu Wort, weil sie noch gar nicht geschrieben worden sind und die Lücke im Gedankengang füllen möchten.

Schreiben zum Nachdenken

Und dann brauche ich noch Räume, in denen ich das Schreiben zum Nachdenken nutzen kann: um Gedankenknäuel zu lösen, über das Leben zu sinnieren, auf neue Ideen zu kommen, kreativ in alle Richtungen zu denken oder einfach mit Worten und Sprache zu spielen. Das geht für mich am besten draußen in der freien Natur, wenn mein Blick tatsächlich in alle Richtungen wandern kann. Dort die hochgewachsene Buche mit ihrem glatten Stamm. Was sind meine Wurzeln, wohin strecke ich meine Äste aus? Da der Blick in die Weite über das Kornfeld. Welche Ernte werde ich in diesem Jahr einfahren, was habe ich geschafft? Ein Blick zum Horizont. Was liegt hinter den Hügeln? Welche Welten möchte ich noch entdecken?

Jetzt kennt ihr meine Lieblingsorte zum Schreiben. Und was sind eure Lieblingsorte zum Schreiben? Wo schafft ihr euch Räume für euer Schreiben?

Schreibt mir, wohin ihr die Schreib-Muse einladet, damit sie küsst.

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