21 März 2018

Texte überarbeiten mit der Quietsch-Ente

Posted in Wissenschaftliches Schreiben, Schreiben im Beruf

Als ich neulich einen Workshop an der TU Dortmund zum „Schreiben lehren in den MINT-Fächern“ moderierte, erfuhr ich von einem der Teilnehmer, einem Informatiker, von einer witzigen Methode in der Programmentwicklung: rubber duck debugging, zu deutsch so viel wie Quietsch-Enten-Fehlersuche. Man besorgt sich eine Quietsch-Ente und erklärt ihr Schritt für Schritt den Programmcode, bis man merkt, an welcher Stelle das Programm etwas anderes tut, als es tun sollte. Das Schöne: Die Ente ist jederzeit ansprechbar, ohne sich gestört zu fühlen, gibt keine dummen Ratschläge, macht sich nicht über Fehler lustig, mischt sich nicht unnötig ein und hört einfach ungerührt zu (weiteres dazu unter: https://rubberduckdebugging.com/).

Selbstversuch

Die Methode könnte sich auch wunderbar zur Überarbeitung von Texten eignen, dachte ich mir, habe mir eine Quietsch-Ente besorgt und den Selbstversuch gemacht.

Und ja, es funktioniert. Indem ich der Ente erklärte, was ich in dem Artikel, den ich gerade schreibe, sagen möchte, fiel mir auf, an welchen Stellen die Textstruktur noch knirschte und wo der rote Faden verloren gegangen war.

Zum Nachmachen
  • Besorge dir eine Quietsch-Ente deiner Wahl.
  • Drucke deinen Text mit breitem Rand für Kommentare und Korrekturen aus.
  • Stelle die Ente auf deinen Schreibtisch, Küchentisch, den Tisch in deinem Lieblingscafé, die Parkbank oder einen anderen Ort, an dem du konzentriert arbeiten kannst.
  • Erkläre der Ente Absatz für Absatz, worum es in deinem Text geht, welche Fragen du in dem jeweiligen Absatz beantwortest und warum der Absatz an diese Stelle im Text gehört.
  • Während die Ente dich mit stoischer Ruhe anguckt, merkst du vielleicht, dass es eine gewisse Differenz gibt zwischen dem, was du erklärt und dem, was im Text steht:
    • Ein Absatz beantwortet keine Frage, transportiert keine Aussage oder doppelt sich mit einem anderen Absatz.
    • Der Text wartet noch auf die Entdeckung des roten Fadens, Aussagen stehen an der falschen Stelle oder der Text springt zwischen mehreren Gedankengängen hin und her.
    • Eine wichtige Information im Text fehlt, das Argument ist noch nicht vollständig oder ein Übergang klingt zu abrupt.

Nun kannst du beherzt umsortieren, streichen, ergänzen, bis im Text genau das steht, was du sagen möchtest.

Extra-Tipp:

Lege dir eine Schere bereit, damit du die Textteile auseinanderschneiden und verschiedene Reihenfolgen der Aussagen ausprobieren kannst.

Kommentare (1)

  • Katrin Röntgen

    30 April 2018 um 18:23 |
    Was für eine wunderbar spielerische Methode! :v)
    Davon abgesehen ist mein persönlicher Lieblingssatz: "Der Text wartet noch auf die Entdeckung des roten Fadens ..." Friendly Feedback at it's best! :v)

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